Nachhaltiger Wohnungsbau in Holz, Berlin

Neubau Salvador-Allende-Straße, Berlin- Treptow-Köpenick
Bauherrin: degewo
Beauftragte Leistung: LP 2-5
Planung: 2022-23
Baubeginn: 2023
Fertigstellung: 2025

Pilotprojekt für zukunftsfähigen und sozial ausgewogenen Wohnungsbau
Mit dem „SAS – Klimahaus“ in der Salvador-Allende-Straße realisiert die degewo als Bauherrin ein innovatives Pilotprojekt für ressourcenschonendes und klimagerechtes Bauen in Berlin. Die Planung und Umsetzung erfolgt durch roedig . schop architekten + partner mbB in Arbeitsgemeinschaft mit weberbrunner architekten. Generalübernehmerin ist die BATEG GmbH.

Das Projekt steht beispielhaft für einen nachhaltigen, sozial durchmischten Wohnungsbau im urbanen Kontext und vereint hohe architektonische Qualität mit innovativer Holz-Hybridbauweise und ambitionierten Klimazielen.
Neubau eines achtgeschossigen Wohngebäudes in Holz-Beton-Hybridbauweise mit 112 Wohnungen, davon rund 50 % geförderter Wohnungsbau.

Holz-Beton-Hybridkonstruktion mit hohem Vorfertigungsgrad, Effizienzhaus-40-Standard, QNG-Plus-Zertifizierung, extensiv begrüntes Dach mit Photovoltaikanlage.

Zahlen, Daten, Fakten

112 Wohneinheiten (1- bis 5-Zimmer-Wohnungen)
ca. 50 % geförderter Wohnungsbau
BGF: 11.040 m²
NF: 7.936 m²
Achtgeschossiger Baukörper (EG + 7 OG)
Grundrissabmessungen: ca. 92 × 16 m
Energiestandard: EH 40
Nachhaltigkeitsstandard: QNG Plus
Treibhauspotenzial: 22,8 kg CO₂e/m² NRFa

Besonderheiten

Transfergeschoss, Massivbau zu Holzbau geplant, Fassadengestaltung, Holzfassade bei Sicherheitstreppenhaus, Weglassen was unnötig ist

 

Architektur und Städtebau
Der kompakte Baukörper mit einer Länge von 100m ist eine prägnante Figur im Stadtraum. Ein offenes Erdgeschoss mit vielfältigen Nutzungen bildet einen kraftvollen Sockel, auf dem sieben Wohngeschosse in Holzhybridbauweise aufliegen. Der Sockel über dem EG ist auch ein umlaufend intensiv begrünter Dachgarten. Im Erdgeschoss befinden sich die Gewerbeflächen, Hauserschließungen, Fahrräder, Lastenräder, Ladestationen und Stellplätze.  Die Installationsstränge und Technikflächen sind hier zentral gebündelt, da das Haus – zugunsten einer Reduktion von Materialeinsatz und grauer Energie – auf eine Unterkellerung verzichtet.

Die Fassade ist an drei Seiten als hinterlüftete, deutlich profilierte Holzkonstruktion ausgeführt. Zur Straßenseite ist sie verputzt, da Holzwerkstoffe bei Sicherheitstreppenhäusern bauordnungsrechtlich in der Regel nicht zulässig sind.

Für das Klimahaus wurde dafür eine Ausnahmegenehmigung erteilt – ein wichtiger Schritt für den urbanen Holzbau.

 

Sozial durchmischt und barrierefrei
In den sieben Obergeschossen entsteht durch unterschiedliche Wohnungsgrößen und Grundrisstypologien ein differenzierter Wohnungsmix für unterschiedliche Lebensmodelle. Barrierefreie, förderfähige und freifinanzierte Wohnungen gewährleisten eine nachhaltige soziale Durchmischung. Vier Sicherheitstreppenhäuser mit Aufzügen sichern eine barrierefreie Erschließung.

Konstruktion und Nachhaltigkeit
Das „Klimahaus“ ist ein Holz-Beton-Hybridgebäude. In den Regelgeschossen bestehen die tragenden Wände aus CLT-Massivholz (Cross-Laminated Timber). Decken, Brand- und Treppenhauswände sowie das erste Obergeschoss als „Transfergeschoss“ sind aus Beton.

Der hohe Anteil an Holz in tragenden und nicht tragenden Bauteilen reduziert die graue Energie erheblich und bindet CO₂ langfristig. Vorgefertigte Holz- und Deckenelemente ermöglichen effiziente Bauprozesse, hohe Präzision und kurze Bauzeiten. Die klare Materialtrennung unterstützt die Prinzipien des zirkulären Bauens.

Das Gebäude erfüllt den Standard-Effizienzhaus 40 NH und ist mit dem Qualitätssiegel „Nachhaltiges Wohngebäude (QNG Plus)“ sowie dem Qualitätssiegel „Nachhaltiger Wohnungsbau (NaWoh)“ zertifiziert.

Die Energieversorgung erfolgt über Photovoltaikanlagen auf dem Dach. Der erzeugte Strom versorgt die Wärmepumpen und die Allgemeinstrombereiche. Dachflächen und Teile der Fassade sind begrünt und leisten einen messbaren Beitrag zur Verbesserung von Mikroklima und Biodiversität.

Ein dezentrales Regenwassermanagement speichert überschüssiges Niederschlagswasser in Zisternen und nutzt es zur Bewässerung der Außenanlagen.

Fotografie: © Nils Koenning